Autor: Lord Chaos
Da saß sie nun, die arme philippinische Studentin, hinter schwedischen Gardinen, bösartig, kriminell und von heut auf morgen Staatsfeind Nummer 1. Dabei wollte sie doch bloß die ganze Welt umarmen; aber fangen wir mal
von vorn an:
Ja das ist es, dachte sie. Endlich hatte sie den Grund dafür gefunden, warum in der Heutigen Zeit der Streß und die Angst über die Menschen regiert, warum Prolos wie Sladko oder die scheinbar sprachmutierte Regina
"Maschendrahtzaun" Zindler zu Stars werden können, oder warum jeder Mann den Anschalter für seinen Computer, nicht aber die Klitoris seiner Frau findet:
Zu klug sind wir! Umwerfend clever, mental topfit und super intelligent wollen wir sein - kein Wunder, daß es in unserer Gesellschaft keiner schafft, wenn Meiser, Karalus und Co. unsere Probleme lösen wollen. Sie sponn ihre Idee weiter,
komponierte in der Badewanne mal eben den Song "Blöd genug für diese Welt", kaufte Rover Aktien und verliebte sich einfach unsterblich in jeden, der scheinbar schon früher festgestellt haben mußte, daß es sich lohnt
doof zu sein (siehe Sladdi). Jau, so geht's! Verlieben ist die beste Art, um völlig kopflos durch die Welt zu rennen und sich trotzdem super zu fühlen. Also los, mach ich sie alle auf einen Schlag glücklich. - so entstand dann der
ILY-Virus, der in quasi göttlichem Tempo seine Armor-Pfeile verschoß...
Nur einen entscheidenden Denkfehler hatte sich unser rosabebrillter Regelbluter geleistet; sie hatte ihre Liebesbriefe so präpariert, daß derjenige, der ihre Liebe annahm, sofort vom Laster der stressbringenden Daten und intelligenten
Betriebssystemen befreit wurde. Auch schön, aber leider traf der romantische Erguß genau diejenigen Menschen am häufigsten, die eh schon hohl genug waren (was zum einen an ihrem Fabel für Microsoft Produkte und zum anderen am
Unverständnis für Backups erkennbar ist).
War ja immer noch halb so wild - je doof desto glücklich....
Einzig und allein die "intelligenten" Leute, die alle dachten, daß Chef, Informatiker oder Sysadmin ein furchtbar cleverer Job sei, wußten nicht, ob sie sich am ärgsten über den Virus, ihre Mitarbeiter oder über den
Anfall von Samaritismus, der sie bewog jene Stümper zu beschäftigen, ärgern sollten --- [Anm.: Hier brechen wir mal ab; alles weitere sollten auch die Einfältigsten unter Euch aus der Tagespresse entnommen haben.] Stop! Wir
dürfen ja nicht vergessen, daß die ganze Geschichte auch ein par Menschen glücklich gemacht hat... zumindest solange, bis sie merken, daß, wenn ihr Rechner wieder läuft, der Liebesbrief, auf deren Lektüre sie sich so
sehnsüchtig gefreut haben, wohl beim formatieren der Festplatte irgendwie versehentlich gelöscht wurde. Naja, da geht's ihnen wohl doch nicht anders, als denen, die sich so unbeachtet fühlen, weil wohl jeder ihrer Kollegen (auch die
Kolleginnen) einen Liebesbrief der hübschen Sekretärin vom Chef bekommen hat - nur sie selbst nicht.
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