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Glücksrad: Nie fühlte ich mich so machtlos...

Autor: DJ Prolet
 
In einem schwachen Moment blieb ich beim zappen auf der Supershow "Glücksrad" hängen und was ich dort erlebt habe, macht mich heute noch wütend.
Glücksrad-CrewDer Moderator war wie eh und je adrett gekleidet und auch sein sprachlicher Schliff sowie sein Umgang mit den Kandidaten waren top. Die Kandidaten von heute unterscheiden sich aber deutlich vom Quizstar verganger Tage. Es ist nicht so sehr die geistige Fitness, mit der sie die Rätselhürden spielend meistern. Eher macht mir das Handwerkliche Geschick beim Raddrehen zu schaffen. Was sich die Leute dabei erlauben, geht auf keine Hutschnur.
Ich will hier gewiss nicht vorschnell urteilen. Vielleicht hat sich mit der Aufpeppung des Bühnendesigns auch der Rotationswiderstand des Spielgerätes zum argen gewandt. Fest steht, daß statt der lustigen "Exra-Dreh"-Kelle jetzt ein elend blinkendes grünes Lichtlein am Ratepult montiert ist. Vielleicht hat es der Show einfach zuviel Sendezeit gekostet, daß Frederic Meisner ständig die Ratekönige ermahnen mußte, ihre Extra-Drehs hochzuklappen.
Na, den Job hat jetzt die Regie. Zentral. Wahrscheinlich hat der Sender eine Statistik anfertigen lassen: Wieviele Tage lang dreht sich das Rad, wenn man aus allen Sendungen die Raddrehszenen nonstop hintereinanderschneiden würde. Wie lange sind jeweils die Gewinnpaletten eingeblendet, wer erfindet die meisten Vokale und so fort. Da muß es den Oberen wie Schuppen abgeblättert sein: Mönsch! Die rallen das nicht mit dem Extra-Dreh! Egal, das wäre nicht das Schlimmste.
Wenn jetzt nämlich zum Rad gegriffen und gedreht wird, dann spielt sich jedesmal die gleiche Szene unbeschreibbarer Lächerlichkeit ab. Der Kandidat langt nach vorne. Er greift sich mit der Hand einen der äußerst zahlreichen Drehknüppel. Er nimmt dabei STETS den Knüppel, der von ihm am weitesten enfernt ist, den er aber gerade noch zu Fassen kriegen kann. Dann dreht er das Rad ZURÜCK!!, bis sein Arm so langgestreckt ist, wie seit der Hexenprozesse bzw. der letzten Glücksradfolge kein Arm mehr langgestreckt gewesen ist. Dann will er das Rad aber in die Richtung drehen, aus der es eben gerade herangedreht hat! Mit letzter Kraft reißt er an seiner Extremität und bringt dadurch das Glücksrad kläglich auf irgendeine laue Drehzahl. Was soll das? Am liebsten wäre ich hinzugesprungen und hätte den irren Dreher angeraunzt, das dämliche Gepose doch gefälligst zu unterlassen. Geht nicht: TV. Alle machen sie das. Einer guckt vom anderen ab, oder wodurch verbreitet sich diese elende Marotte? Das ist kein Genuß mehr. Blutdrücke jenseits der Skalen sind die Folge. Wer will da noch werben?

 
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© 2000 Gero Wenderholm