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Eingkeit und Recht und Kaufkraft

I n meiner Heimatstadt ist es Straßenmusikanten verboten, auf der Straße zu musizieren. Natürlich ist das richtig und gut, denn nicht jeder mag Musik und die wenigsten können sich für heruntergekommene Musizierer erwärmen. Gegen Weihnachten gibt es auf einmal gar nicht genug lustige Musikanten. Es fiept und trötet in der gesamten Einkaufszone. Herrliche Lieder, mal mit Blech, mal mit Holz vorgetragen. Die liebe Stadt schüttet auch fleißig Extra-Geld in die Instrumentenkoffer. Ich glaube, mit einer Horde Fünftklässler und einem Sack Blockflöten ließe sich ein ansehnliches Sümmchen binnen kurzem zusammenlärmen.
StraßenmusikantenPunker und laute Jugendliche im Allgemeinen mag auch keiner. Die sitzen immer vor den Geschäften herum und trinken Bier. Dann schnorren sie wieder Biergeld von den echten Menschen, und tragen es in die Supermärkte. Pfui! Das hätte es früher aber nicht gegeben. Gottseidank sitzen in den Gremien noch verantwortungsbewußte Menschen, die sich nicht scheuen, das ludrige Gesinde dorthin zu verweisen, wo es hingehört, nämlich weg. Ich kann mir gut vorstellen, daß in den Rathausetagen bereits über ein Punker-Vertreibungssystem auf Sprengstoffbasis nachgedacht wird. Die Gefahr ist nämlich nicht zu unterschätzen.
Drogentod wird gar nicht gern gesehen. Rauschgift ist verboten, da hat man sich gefälligst dran zu halten. Wo kämen wir denn hin, wenn alle falsch parken würden. Es ist also nur logisch, daß diese widerlichen Subjekte sofort aus der Innenstadt verwiesen werden. "Verwahrlost doch woanders! Hier weht ab jetzt ein frischer Wind!"
Wer jetzt denkt, "Hui, na da geht's aber arg zu", den möchte ich belehren. Diese Maßnahmen sind absolut notwendig! Die richtigen Menschen, also welche mit Geld im Portemonnaie, sollen sich in der Stadt wohl fühlen, damit sie jederzeit gerne wiederkommen und ihre Barschaft an den Kassen abgeben. Und da ist es doch sonnenklar, daß der schmierige Rest nur stört.
Man sollte aus pekuniären Erwägungen sogar noch weiter gehen. Einige Menschen sind bereits so alt, daß ihr unansehnliches Äußeres abschreckend auf die mittlere Altersklasse wirkt. Die braucht hier keiner. Die stören nur. Weg damit, kaufen Sie zukünftig im Versandhandel ein, oder benutzen sie unterirdische Tunnel!
 
Noch gräßlicher sind dann wiederum diejenigen, die zwar proper und adrett aussehen, aber deren Geldbörse vor Leere nur so gähnt. Nun, hierbei gilt es aber genau abzuwägen, ob diese Personengruppe nicht vielleicht doch Zutritt zu den Geschäftsmeilen haben sollte. Der Mensch ist ein Rudeltier, und wenn dann eine Horde Mittelloser sehnsüchtig Hochpreisiges anstarrt, könnte das sogar kaufanimierend auf die richtigen Menschen wirken.
Gewisse Städte kommen daher nicht drumherum, strenge Kriterien anzulegen. Der Zutritt zur Innenstadt darf fortan nur noch folgenden Personengruppen erlaubt werden:
  1. Menschen mit reichlich Einkommen (Aussehen egal)
  2. attraktive und junge Menschen, die aber glaubhaft vorgeben können, zur ersten Gruppe zu gehören
  3. Polizei
Nicht zugelassen sind:
  1. Punker, Drogentote und sonstige Randalierer
  2. alte Menschen
  3. Musikanten, Obdachlose und sonstiges Pack
Schaut Euch mal in Eurer Stadt um, wie weit Ihr bereits mit der Umsetzung seid!
 
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Autor:
Dj Prolet
am: 10.08.00
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