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Bernie - Freund und Kamerad
Mein Freund, der kleine Bernie, ist ein guter Kamerad. Eigentlich ist er gar nicht so klein, wie wir immer sagen. Er ist schon 17 Jahre alt und geht mit mir in eine Klasse. Aber Bernie ist geistig etwas
zurückgeblieben. Diese Tatsache und seine ihm eigene, gottgegebene Gutgläubigkeit machen ihn zu einem interessanten Objekt unseres jugendlichen Verarschungsdranges. Er ist auch nicht direkt mein Freund. Es sei denn, Beinstellen und
böswilliges Ärgern würden allgemein als Freundschaftsbeweise anerkannt. Darüber hinaus kann man ihn auch nicht wirklich als guten Kameraden bezeichnen. Meistens wird hinter seinem Rücken getuschelt, weil er so blöd ist. Wenn
er dann doch etwas versteht, fragt er immer ganz doof: "chrr, hääää? chrrrr, chrrrr, wassa gesaaaacht?"
Eklig ist das. So kriegt der nie eine ab. Das sagen alle. Kinder können grausam sein. Sie können aber auch grausam aussehen, erst
recht diejenigen, bei denen der eigene Körper plötzlich feststellt, daß er wichtige Entwicklungsabschnitte einfach übersprungen hat, und schnell mal die Pubertät binnen Monatsfrist nachholen will. Verwachsungen bleiben da
einfach nicht aus, eben gerade wenn's schnell gehen soll. Was Bernie angeht, den hat es in dieser Hinsicht ziemlich Scheiße erwischt. Er hat ein Gesicht wie Kotze, von den vielen Pickeln. Außerdem spricht er ganz undeutlich. Das ist am
schlimmsten, wenn er dabei auch noch ißt. Seine Mutter muß ihm das zu Hause wohl verboten haben, so schlecht kann er das. Jedenfalls fällt ihm dann alles aus dem Mund raus und rollt unter die Möbel. Dort bleibt es liegen und
verfault. Auch die umgekrempelten Beine seiner Hosen sind voll mit diesem Dreck. Puh, das stinkt.
Aber wenn man versucht, Bernie auf diese Mißstände anzusprechen, um ihm die Augen zu öffnen und dadurch eventuell ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, wird er gleich barsch. "Chrrrr, chrrrrr s'egal
wasnchrrrr...et..euchassss an!" Klar, so wird's nix, lieber Bernie! Nächsten Monat ist Berufswahlwoche in der Schule. Da muß jeder eine Woche lang einen Beruf ausprobieren. Manche gehen in eine Fabrik oder in die Bank. Einige müssen
auch zur Müllabfuhr, weil die keiner sonst haben wollte. Da gehört Bernie auch hin, aber er geht zum Fernsehen. Denkt er. Wir haben uns nämlich mal umgehört, was man beim Pornofilm so an Geld kriegt. Ein Foto vom Bernie haben wir
mitgenommen, und dem netten Mann gezeigt. Er war einverstanden, daß Bernie für 200 Mark eine Woche lang mitmachen darf. Natürlich behalten wir das Geld selber und gehen in den Puff oder kaufen unseren Freundinnen Eis.
Bernie freut sich schon aufs Fernsehen, wir auch.
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