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homo phaeton oder der Phaeton-Prolet
Was ist das nun wieder für eine menschliche Spezies, werden sie sich fragen.
Klar wir wissen, nicht zuletzt dank Günther Jauch, daß das lateinische homo
für den Menschen steht und die nachfolgende Attitüde phaeton den Menschen
versucht zu klassifizieren:
In der griechischen Mythologie ist Phaeton der
Sohn des Sonnengottes Helios. In Erfüllung eines freien Wunsches lenkte er
den Sonnenwagen des Vaters, verlor die Kontrolle, geriet aus der Sonnenbahn
und löste einen Brand aus, so dass ihn Zeus mit einem Blitz erschlug. Das
Topmodell der Automarke Volkswagen wurde nach Phaeton benannt.
Für mich steht der Phaeton für die kleinkarierte Lebensart verbunden mit
einer gehörigen Portion Selbstüberschätzung, welche fast zwangsläufig zum
Versagen führt. Dazu kommt noch ein hohes Maß an Eitelkeit, die sich im
gehobenen Durchschnittsgeschmack ausdrückt. Der Phaeton als Fahrzeug
verkörpert diesen Typus bis ins Detail. Das VW-Logo drückt die
Kleinkariertheit seines Fahrers direkt aus. Mercedes oder BMW darf es nicht
sein, denn der Phaeton Lenker will sich ja nicht auf das Niveau seines Chefs
begeben. Nein, der Volkswagen ist immer noch für das schaffende Volk
gemacht. Die Arbeiterklasse, die sich längst in Wohlstand badet und die
viele Freizeit im Auto, bei Aldi oder vor dem Flachbild-TV verbringt, kann
einen Stern auf Haube unmöglich dulden. Der Kleinbürger braucht das
kleinbürgerliche Symbol. Und nur VW baut die qualitativen hochwertigen Autos
für den kleinen Mann. So, wie nur Aldi die hochwertigen Lebensmitteln und
sonstigen Schnick-Schnack passend dazu anbietet und das Fernsehen - ob
öffentlich oder privat - die gewünschten Bilder, Reportagen, Nachrichten und
Filme. Der deutsche Spießer mit seinem ausgeprägten Qualitätsbewußtsein
fährt VW, basta!
Für diese kluge Entscheidung reicht die mittlere Reife vollkommen aus. Die
Medien unterstützen klammheimlich aber zielgenau diese Massenbegeisterung
für ein eigentlich überteuertes, aber prestigeträchtiges Sitze in in einem
Volkswagen. Mit einem Automobil dieser Marke ist man auf der sicheren Seite
des Massengeschmacks angekommen. Wer noch nicht überzeugt ist, bekommt die
Werbung um die Ohren gehauen. Diese trifft immer das Herz des Spießers mit
Realschulabschluß. Wir wollen diesen Archetypen einmal den Proletarier der
Moderne nennen. Für diesen Typus hat sich der Kurzbegriff Prolet
ausdifferenziert, den ich hier - weil passend - übernehmen will. Der
Phaeton-Prolet strotzt nur so vor Überheblichkeit und Selbstüberschätzung.
Aber er hat ja auch gesellschaftlich die höchsten Posten erreicht. Zwar ist
er kein Unternehmer mit Risikobereitschaft, aber er hat sich in
Großbetrieben und politischen Organisation und in der Politik langsam aber
sicher eingenistet und zwar, bis in die höchsten Etagen hinein. Wie Phönix
aus der Asche ist unser Proletarier plötzlich aus dem Niemandsland ins
mediale Rampenlicht aufgestiegen. Vom Betriebsrat über den
Gewerkschaftsfunktionär bis zum Bundeskanzler ist alles möglich. Denn die
dumpfe Masse wählt sich einen Mann, welcher aus dem gleichen Holz geschnitzt
ist und sucht den Leithammel mit respektloser Schnauze und unbeugsamer
Durchsetzungskraft. In diesen Jobs gibt es kein Risiko und keine
Verantwortung. Das Geld fließt und wenn es schief geht, dann wird der
politische Prolet sicher im sozialen Netz aufgefangen. Wer es aber schafft,
der kann sich in den höchsten Posten fast alles erlauben. Aber auch im
Kleinen kann schon alles drin sein. Die Betriebsräte des Volkswagenwerkes
tummeln sich auf Betriebskostenbasis in Bordellen und sind vom Personalrat
zum Rudelbumsen eingeladen. Endlich darf er so leben, wie er es sich immer
von den wichtigen Herren in ihren besternten Großlimousinen vorgestellt hat.
Plantschend im Whirlpool mit der Zigarre im Mundwinkel und umgeben von
stöhnenden Blondinen sonnt er sich in seiner Selbstgefälligkeit und bekommt
ein Gefühl für das ganz Große. Ja, für eine Art Göttlichkeit, die er schon
immer in sich gespürt hat. Hier ist der Prolet in seinem Zenit. Und dann
kommt ja noch der Auftritt im Phaeton. Der Prolet chauffiert sich selbst in
seinem hoffähigen Vehikel. Wenn es keine Uniformen mehr gibt, so gibt es
doch das Automobil um sich öffentlich auszuzeichnen. Und der Phaeton zeigt
uns: Schaut her, ich habe es geschafft. Trotz meiner Kleingeistigkeit bin
ich aufgestiegen zum Generalfeldmarschall (oder so etwas). Der Kleinbürger
in der protzigen Großlimousine. Es ist vollbracht. Wer diesem Gefährt
entsteigt verspürt endlich die ersehnte Hochachtung und er bekommt seine
ritterliche Würde zurück. Man möchte den Hut ziehen und einen Diener machen.
Gibt es einen Prototypen des homo phaeton. Oh ja, es ist Gerhard Schröder.
Er ist der kleinkarierte Macho im Armani-Anzug und mit selbstüberheblichen
Zügen, die er in der Nachwahlsendung im Jahr 2005 eindrucksvoll der ganzen
Republik zur Schau gestellt hat. Hier wurde eine menschliche Tragödie im
Lichte der niedrigsten emotionalen Intelligenz, die wir jemals so öffentlich
bestaunen konnten, im Fernsehen dargeboten. Jede Schule sei dieser Auftritt
des Kleingeistes in seiner unübertroffenen Selbstüberschätzung als
Anschauungsmaterial empfohlen. Das komplette Versagen endete in einem
perfekt vorbereiteten Flop des Jahres: Der Neuwahl-Coup. Schröder fuhr nach
der Sendung in einem Phaeton davon und wir schauen ihm winkend nach mit
einer Art Trauer und Mitgefühl. Keine Sorge, der Phaeton-Prolet wird wieder
Auferstehen, so wie der Harzer-Roller immer wieder neu auf den
Gesangwettbewerben der Kanarienvögelzüchtervereine zu hören sein wird. Der
Instinkt der Macht nimmt mit geistiger Flachheit zu. Die Mittelmäßigkeit
krönt wieder irgendwann ihren strahlenden Phaeton, welcher den Wagen gegen
die Wand fährt, Brände auslöst und nur von Zeus erschlagen werden kann. Das
kommt mir ein Gedanke: Ist Angela Merkel etwa die weltliche Ausgeburt Zeus´?
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Autor:
Hasso Schröber-Klopf
am: 15.02.06
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